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Monatsgeschichten - Wissenswertes durch das Jahr

Monatsgeschichten - Wissenswertes durch das Jahr wurde erstellt von luthiandis

Posted 2 Wochen 2 Stunden her #14186
Januar – Heilige Drei Könige, Sternensänger 
 

Bild: Albrecht Dürer - Anbetung der Könige - 1504 - Uffizien, Florenz

Ein Blick auf den Januar im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Jahreslauf offenbart eine Zeit voller Übergänge, Rituale und symbolischer Handlungen geürägt von Aberglaube. Dieser Monat markierte den Abschluss der Weihnachtszeit durch eines der wichtigsten christlichen Hochfeste: Epiphanias – die Erscheinung Christi vor der Welt, gefeiert am 6. Januar., den Beginn neuer Hoffnungen ( und des neuen Jahres) und zugleich den Moment, in dem alte Vorstellungen von Magie, Schutz und Wandlung besonders lebendig waren. 

 👑 Die Heiligen Drei Könige: Magier, Weisen oder Könige?
Im Mittelalter waren die “Drei Könige” allgegenwärtig – in Kirchenfenstern, auf Altären, in Prozessionen und volkstümlichen Spielen.
Doch ursprünglich erwähnte das Evangelium weder ihre Zahl noch ihre Königswürde. Erst spätere Traditionen machte aus ihnen:
  • Caspar (Afrika / Arabien – Myrrhe),
  • Melchior (Europa – Gold),
  • Balthasar (Asien – Weihrauch).
Ihre Darstellung im Mittelalter diente bewusst dazu, die drei damals bekannten Erdteile symbolisch zur Krippe zu führen – ein machtvolles Bild für die universelle Bedeutung Christi.

Bedeutung im religiösen und sozialen Leben
  • Kirchen inszenierten „Dreikönigsspiele“, bei denen Geistliche die Reise der Magier darstellten – eine Mischung aus Ritual, Theater und Gemeindefest.
  • Könige und Fürsten ließen sich an diesem Tag gern als von Gott eingesetzte Herrscher feiern; Epiphanias war ein politisch bedeutsamer Termin.
  • Häuser wurden mit Weihwasser gesegnet, das an diesem Tag als besonders wirksam galt.
Der Segensbrauch C+M+B
Schon im Spätmittelalter verbreitete sich der Brauch, Hausportale mit dem Segensspruch C+M+B zu kennzeichnen.
  • Traditionell bedeutet er „Christus mansionem benedicat“Christus segne dieses Haus.
  • Volkstümlich wurde er später den Königsnamen Caspar, Melchior und Balthasar zugeschrieben.
  • Diese Zeichen sollten das Haus vor Unheil, Krankheit und bösen Geistern schützen – eine Vorstellung, die besonders während der Rauhnächte tief verankert war.


Sternensänger – Ursprünge der heutigen Sternsinger

Sternensänger traten bereits im Mittelalter auf, besonders in Klöstern und später in Städten. Im Spätmittelalter zogen Kinder, Jugendliche oder Mitglieder von klerikalen Bruderschaften von Haus zu Haus, oft geführt von einem „Sternträger", der den Stern von Betlehem symbolisierte. 

Wie sie auftraten
  • Gruppen junger Kleriker, später auch Kinder aus Schulen oder Bruderschaften.
  • Sie sangen Lieder über die Ankunft Christi und die Reise der drei Weisen.
  • Oft erhielt die Gruppe Essen, Gebäck oder eine kleine Gabe für ihren Gesang.
  • Der Stern an einer Stange wurde aus Holz, vergoldetem Papier oder Metall gefertigt – je nach Stand der Gemeinde.
Diese Gesänge dienten nicht nur der Feier der Epiphanie, sondern auch als eine Form der sozialen Integration: Das gemeinsame Singen von Tür zu Tür verband die Nachbarschaften, stärkte die Gemeinschaft und brachte Segen in die Häuser.

 
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Posted 1 Woche 2 Tage her #14187
Die Rauhnächte – eine Zeit zwischen den Welten

 

Die Rauhnächte gehören zu den geheimnisvollsten Zeiten des Jahres. Ihr genauer Ursprung lässt sich nicht eindeutig bestimmen: Ob sie eher keltische, germanische oder allgemein vorchristliche Wurzeln haben, ist in der Forschung umstritten. Sicher ist jedoch, dass sie im mittelalterlichen Volksglauben eine zentrale Rolle spielten.

Die Rauhnächte galten im mittelalterlichen Volksglauben als eine Zeit außerhalb der normalen Ordnung, eine sogenannte Zwischenzeit, in der die gewohnten Regeln von Natur, Religion und Gesellschaft teilweise außer Kraft gesetzt schienen. Man glaubte, dass in diesen zwölf Nächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag (je nach Region leicht variierend) die Grenzen zwischen der sichtbaren Welt und der Anderswelt besonders durchlässig seien. Geister, Dämonen, die Seelen der Verstorbenen oder mythologische Gestalten wie die Wilde Jagd konnten in dieser Zeit umherziehen. 
Die Rauhnächte galten als die „überschüssigen Tage“ zwischen Mond- und Sonnenjahr, die nicht eindeutig zugeordnet werden konnten. Gerade diese Unsicherheit machte sie aus mittelalterlicher Sicht gefährlich, aber auch orakelhaft. Träume galten als besonders wahrheitsgetreu, Vorzeichen als bedeutsam, und jede Nacht stand symbolisch für einen kommenden Monat des neuen Jahres.
Um sich zu schützen, griff man zu Räucherbräuchen, die sowohl vorchristliche als auch christliche Elemente vereinten. Das Räuchern von Beifuß sollte negative Einflüsse vertreiben und Klarheit bringen, Wacholder galt als stark reinigend und schützend gegen Krankheit, während Weihrauch – ursprünglich ein kostbares Importgut – die göttliche Gegenwart herbeirufen sollte. Haus, Stall und Hof wurden dabei bewusst einbezogen, denn nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Vorräte galten als schützenswert.
Neben dem Räuchern waren während der Rauhnächte zahlreiche Tabus zu beachten: Es sollte keine Wäsche gewaschen oder aufgehängt werden, da sich darin Geister verfangen könnten; Spinn- und Webarbeiten waren verboten, um das Schicksal nicht „zu verwirren“. Gleichzeitig nutzte man die Zeit für Innehalten, Gebete, Haussegen und Zukunftsdeutungen – ein bewusster Rückzug aus dem Alltag.
Erst mit dem Fest der Heiligen Drei Könige am 6. Januar endete diese unheimliche Phase. Der Stern von Bethlehem symbolisierte das zurückkehrende Licht und die göttliche Ordnung. Mit Segenssprüchen, Kreidezeichen an den Türen und feierlichen Prozessionen wurde die Welt wieder „geschlossen“ – geschützt und vorbereitet für das neue Jahr.

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